Volleyball Europameisterschaft der Herren 2003 in Karlsruhe, Leipzig und Berlin
 

Südkurier: La Ola-Welle in Zeitlupe, bitte!

Ob Fans, CEV- oder DVV-Präsidenten - bei der Volleyball-EM haben die Häfler Hallensprecher das Sagen

Sven Rautenberg, Michael Wippermann und Frank Zender
- dieses Dreiergespann ist allen VfB-Fans bestens bekannt.
Mit ihren Hallensprecherqualitäten haben sie es auch in größere Gefilde geschafft: Nach der Frauen-WM im letzten Jahr dürfen sie auch bei der momentanen Männer-EM ans Mikro.
Volleyball:
VON HERMANN HUMMLER

Über sechs Monate ist es nun her, seit die ersten E-Mails ausgetauscht wurden zwischen der Messegesellschaft Karlsruhe und Sven Rautenberg. Thema: Der Ablauf der Volleyball-EM. Im Laufe der vergangenen Wochen potenzierte sich der elektronische Datenaustausch, je näher der Volleyballevent rückte. "Zwei Wochen vor dem ersten Anpfiff gab es so gut wie täglich Telefonate und E-Mails zwischen dem Orgateam und mir", erzählt Rautenberg, den die meisten Volleyballfans als Bundesliga-Hallensprecher des VfB Friedrichshafen schon lange kennen.

Es gab eine Menge zu besprechen für Sven Rautenberg, Michael "Mickey" Wippermann und Frank Zender. Nicht nur für eine Partie galt es eine Art Spielplan zu erstellen. Drei Tage, mit jeweils drei Begegnungen und insgesamt 15 Spiele waren zu organisieren. Daraus wurden viele eng beschriebene Seiten, so etwas ähnliches wie ein Sendeplan im Radio: Jingles, Loops, Werbung, Gags, kleine Spiele, die die Sieger mit einem Schuss aus der T-Shirt-Kanone belohnt. Eben alles, was die Zuschauer informiert, bei Laune hält oder in begeisterte Stimmung versetzt, ist darin enthalten. Nicht zuletzt waren diverse Musikstücke auszuwählen, die dann auf der Festplatte des Computers gespeichert wurden. Minutiös wird der Ablauf vorgeplant, alles soll reibungslos ineinanderlaufen. Bloß keine stimmungstötenden Pausen entstehen lassen. Dann, zwei Wochen vor der EM, wurde das Konzept vom europäischen Volleyball-Verband bei einem Testspiel "abgenommen". "Aber genauso wichtig wie der vorgegebene Ablauf ist, dass wir flexibel bleiben", weiß Michael Wippermann. "Es kann einiges Unvorhergesehene passieren."

Doch die beiden Entertainer und Moderatoren sowie der DJ wissen zu reagieren. Seit drei Jahren sind sie nun auf dem "Markt". Ihre gute "Show" bei Bundesliga- und vor allem Champions League-Auftritten des VfB machte sie über die Bodensee hinaus bekannt. "Bei der Frauen-WM 2002 in Stuttgart waren die Leute begeistert", schwärmt Rautenberg noch heute. Dabei hatten die Stuttgarter Organisatoren die drei praktisch blind gekauft. "Die hatten uns komplett vertraut, die Champions League-Spiele waren aber schon so etwas wie unsere Visitenkarte." Dann kamen die Weltligaspiele dieses Jahr beinahe zwangsläufig und jetzt stehen die ehrenamtlichen Animateure - Bankkaufmann Wippermann übte diesen Beruf auf Fuerteventura tatsächlich aus - mit ihrem Equipment logischerweise in Karlsruhe. Dort spielen Deutschland, die Slowakei, Italien, die Tschechei oder Frankreich um den Einzug in die Finalrunde. Sie haben ihr Publikum nicht nur in der Bodensee-Sporthalle oder der Messehalle 1 im Griff. "Heute machen wir etwas ganz Besonderes", werden die 5300 Zuschauer dazu animiert, die La Ola in slow motion durch die dm-Arena kreisen zu lassen. Karlsruhes OB Heinz Fenrich, CEV-Präsident André Meyer wie auch DVV-Präsident Werner von Moltke bewegen ihre Arme und Beine im Zeitlupentempo zum Wiener Walzer ebenso begeistert wie der Rest des "gewöhnlichen" Volleyballvolkes. Distanzierte Gesichter, gar die Arme vor der Brust verschränkt - solcherart stimmungstötendes Verhalten hat bei Sven, Mickey und Frank keine Chance. Die Fans werden mitgerissen, verwandeln den spröden Charme der Messehalle in eine brodelnde Spaßwoge.

Hinter der scheinbar unerschöpflichen Ideenschmiede steckt Knochenarbeit. Früh am morgen stehen sie schon in der Halle, treffen ihre Vorbereitungen - am Sonntag lagen tausende weiße Taschentücher auf den Sitzen, mit denen die Mannschaften nach ihrem letzten Spiel in Karlsruhe verabschiedet wurden - und erst gegen elf Uhr Nachts ist ihr Job erledigt. "Nicht einmal mehr in den Hotelpool reicht es, wir sind einfach müde."

Kennengelernt haben sich die drei Unermüdlichen über das gemeinsame Hobby Volleyball. Der Häfler Rautenberg spielte beim VfB. "Von der C-Jugend bis zu den Junioren und im Perspektivkader für die Bundesliga". Auch "Mickey" Wippermann baggerte und pritschte. 17 Jahre lang beim TV Hörde. Dann zog der gebürtige Dortmunder nach Oberschwaben, schlüpfte ins Dress des TSB Ravensburg, wo er auf Sven traf. Beide lieben nicht nur den Volleyballsport sondern auch das Medium Radio. Industriekaufmann Rautenberg war lange Jahre Moderator bei Radio Lindau und Radio 7, Michael beginnt in Kürze bei Radio Unna ein Volontariat. Gerade zu logisch diese Vorlieben zu verbinden. Frank Zender war zwar nie aktiver Volleyballer, dafür ist der 26-jährige Häfler DJ seit zwölf Jahren aktiver VfB-Fan und ging quasi in die Moderatoren-Lehre bei Sven und Mickey. Er ist Hallensprecher der Volley YoungStars des VfB.
www.eventertain.de hat sich im Süden der Republik schon einen Namen gemacht. "Wir haben viele Anfragen von Bundesligavereinen." Nur bis nach Berlin man noch nicht gedrungen. Die deutschen Volleyballer sind tatsächlich in die Finalrunde eingezogen. Aber die 10000 Fans in der ausverkauften Max-Schmeling-Halle werden ohne Zeitlupen-La Ola feiern müssen.
Nachtrag: Sven Rautenberg wurde vom Organisationskomittee nach Berlin eingeladen, um zusammen mit Karsten Holland und Robert Fekl die Moderation der acht Endrundenspiele zu übernehmen.

(offizielle Presseinformation der EM 2003)
Dank an Karlsruher Publikum
Mit einem Eintrag ins Gästebuch der offiziellen Website der Volleyball-Europameisterschaft bedanken sich die "Eventertainer" und Hallensprecher Sven Rautenberg, Michael "Mickey" Wippermann und der für die Soundmaschine verantwortliche Frank Zender beim Publikum in der dm-arena für die Unterstützung. "Ihr habt grossen Anteil am Erfolg unserer Jungs. Die Begeisterung, die ihr rübergebracht habt, war auf dem Feld zu sehen und zu spüren. Respekt an eure Kondition. Ihr habt alle Mannschaften angefeuert und für ihren Einsatz belohnt", schreibt das Trio auf "volleyball2003.de".

Karlsruher Zeitung vom September 2003:
Ihren ganz persönlichen Anteil am Erfolg leisteten auch Sven Rautenberg und Michael „Mickey“ Wippermann. Die beiden Friedrichshafener Volleyball-Multi-Entertainer schafften es, gemeinsam mit ihrem „Musicman“ Frank Zender und immer wieder neuen Einfällen die riesige Arena in einen Hexenkessel mit einem weit jenseits der Schmerzgrenze liegenden Schallpegel zu verwandeln.
Kein Wunder dass der Bundestrainer Stelian Moculescu die beiden am liebsten mit nach Leipzig genommen hätte. “Das sind Profis, die passen gut zu uns“. Doch Arena-Pressechef Martin Wacker, selbst Stadionsprecher im Dienste des Fussball-Zweitligisten Karlsruher SC schüttelte energisch mit dem Kopf. „Wir brauchen die hier, es gibt sonst im Süden keine Hallensprecher und ausserdem sind viele Leute die am Freitag nur zum Schnuppern kamen, am Samstag und Sonntag nicht zuletzt wegen Ihnen zurückgekommen. Sie sind inzwischen eine Attraktion für sich.“