
Südkurier: La Ola-Welle in Zeitlupe, bitte!
Ob Fans, CEV- oder DVV-Präsidenten - bei
der Volleyball-EM haben die Häfler Hallensprecher das Sagen
Sven Rautenberg, Michael Wippermann und
Frank Zender
- dieses Dreiergespann ist allen VfB-Fans bestens bekannt.
Mit
ihren Hallensprecherqualitäten haben sie es auch in größere Gefilde
geschafft: Nach der Frauen-WM im letzten Jahr dürfen sie auch bei der
momentanen Männer-EM ans Mikro.
Volleyball:
VON HERMANN HUMMLER
Über sechs Monate ist es nun her, seit die ersten E-Mails ausgetauscht
wurden zwischen der Messegesellschaft Karlsruhe und Sven Rautenberg. Thema:
Der Ablauf der Volleyball-EM. Im Laufe der vergangenen Wochen potenzierte
sich der elektronische Datenaustausch, je näher der Volleyballevent rückte.
"Zwei Wochen vor dem ersten Anpfiff gab es so gut wie täglich Telefonate und
E-Mails zwischen dem Orgateam und mir", erzählt Rautenberg, den die meisten
Volleyballfans als Bundesliga-Hallensprecher des VfB Friedrichshafen schon
lange kennen.
Es gab eine Menge zu besprechen für Sven Rautenberg, Michael "Mickey"
Wippermann und Frank Zender. Nicht nur für eine Partie galt es eine Art
Spielplan zu erstellen. Drei Tage, mit jeweils drei Begegnungen und
insgesamt 15 Spiele waren zu
organisieren. Daraus wurden viele eng beschriebene Seiten, so etwas
ähnliches wie ein Sendeplan im Radio: Jingles, Loops, Werbung, Gags, kleine
Spiele, die die Sieger mit einem Schuss aus der T-Shirt-Kanone belohnt. Eben
alles, was die Zuschauer informiert, bei Laune hält oder in begeisterte
Stimmung versetzt, ist darin enthalten. Nicht zuletzt waren diverse
Musikstücke auszuwählen, die dann auf der Festplatte des Computers
gespeichert wurden. Minutiös wird der Ablauf vorgeplant, alles soll
reibungslos ineinanderlaufen. Bloß keine stimmungstötenden Pausen entstehen
lassen. Dann, zwei Wochen vor der EM, wurde das Konzept vom europäischen
Volleyball-Verband bei einem Testspiel "abgenommen". "Aber genauso wichtig
wie der vorgegebene Ablauf ist, dass wir flexibel bleiben", weiß Michael
Wippermann. "Es kann einiges Unvorhergesehene passieren."
Doch
die beiden Entertainer und Moderatoren sowie der DJ wissen zu reagieren.
Seit drei Jahren sind sie nun auf dem "Markt". Ihre gute "Show" bei
Bundesliga- und vor allem Champions League-Auftritten des VfB machte sie
über die Bodensee hinaus bekannt. "Bei der Frauen-WM 2002 in Stuttgart waren
die Leute begeistert", schwärmt Rautenberg noch heute. Dabei hatten die
Stuttgarter Organisatoren die drei praktisch blind gekauft. "Die hatten uns
komplett vertraut, die Champions League-Spiele waren aber schon so etwas wie
unsere Visitenkarte." Dann kamen die Weltligaspiele dieses Jahr beinahe
zwangsläufig und jetzt stehen die ehrenamtlichen Animateure - Bankkaufmann
Wippermann übte diesen Beruf auf Fuerteventura tatsächlich aus - mit ihrem
Equipment logischerweise in Karlsruhe. Dort spielen Deutschland, die
Slowakei, Italien, die Tschechei oder Frankreich um den Einzug in die
Finalrunde. Sie haben ihr Publikum nicht nur in der Bodensee-Sporthalle oder
der Messehalle 1 im Griff. "Heute machen wir etwas ganz Besonderes", werden
die 5300 Zuschauer dazu animiert, die La Ola in slow motion durch die
dm-Arena kreisen zu lassen. Karlsruhes OB Heinz Fenrich, CEV-Präsident André
Meyer wie auch DVV-Präsident Werner von Moltke bewegen ihre Arme und Beine
im Zeitlupentempo zum Wiener Walzer ebenso begeistert wie der Rest des
"gewöhnlichen" Volleyballvolkes. Distanzierte Gesichter, gar die Arme vor
der Brust verschränkt - solcherart stimmungstötendes Verhalten hat bei Sven,
Mickey und Frank keine Chance. Die Fans werden mitgerissen, verwandeln den
spröden Charme der Messehalle in eine brodelnde Spaßwoge.
Hinter der scheinbar unerschöpflichen Ideenschmiede steckt Knochenarbeit.
Früh am morgen stehen sie schon in der Halle, treffen ihre Vorbereitungen -
am Sonntag lagen tausende weiße Taschentücher auf den Sitzen, mit denen die
Mannschaften nach ihrem letzten Spiel in Karlsruhe verabschiedet wurden -
und erst gegen elf Uhr Nachts ist ihr Job erledigt. "Nicht einmal mehr in
den Hotelpool reicht es, wir sind einfach müde."
Kennengelernt
haben sich die drei Unermüdlichen über das gemeinsame Hobby Volleyball. Der
Häfler Rautenberg spielte beim VfB. "Von der C-Jugend bis zu den Junioren
und im Perspektivkader für die Bundesliga". Auch "Mickey" Wippermann
baggerte und pritschte. 17 Jahre lang beim TV Hörde. Dann zog der gebürtige
Dortmunder nach Oberschwaben, schlüpfte ins Dress des TSB Ravensburg, wo er
auf Sven traf. Beide lieben nicht nur den Volleyballsport sondern auch das
Medium Radio. Industriekaufmann Rautenberg war lange Jahre Moderator bei
Radio Lindau und Radio 7, Michael beginnt in Kürze bei Radio Unna ein
Volontariat. Gerade zu logisch diese Vorlieben zu verbinden. Frank Zender
war zwar nie aktiver Volleyballer, dafür ist der 26-jährige Häfler DJ seit
zwölf Jahren aktiver VfB-Fan und ging quasi in die Moderatoren-Lehre bei
Sven und Mickey. Er ist Hallensprecher der Volley YoungStars des VfB.
www.eventertain.de hat sich im Süden der Republik schon einen Namen gemacht.
"Wir haben viele Anfragen von Bundesligavereinen." Nur bis nach Berlin man
noch nicht gedrungen. Die deutschen Volleyballer sind tatsächlich in die
Finalrunde eingezogen. Aber die 10000 Fans in der ausverkauften
Max-Schmeling-Halle werden ohne Zeitlupen-La Ola feiern müssen.
Nachtrag: Sven Rautenberg wurde vom Organisationskomittee nach Berlin
eingeladen, um zusammen mit Karsten Holland und Robert Fekl die Moderation
der acht Endrundenspiele zu übernehmen.
(offizielle Presseinformation der EM 2003)
Dank an Karlsruher Publikum
Mit einem Eintrag ins Gästebuch der offiziellen Website der
Volleyball-Europameisterschaft bedanken sich die "Eventertainer" und
Hallensprecher Sven Rautenberg, Michael "Mickey" Wippermann und der für die
Soundmaschine verantwortliche Frank Zender beim Publikum in der dm-arena für
die Unterstützung. "Ihr habt grossen Anteil am Erfolg unserer Jungs. Die
Begeisterung, die ihr rübergebracht habt, war auf dem Feld zu sehen und zu
spüren. Respekt an eure Kondition. Ihr habt alle Mannschaften angefeuert und
für ihren Einsatz belohnt", schreibt das Trio auf "volleyball2003.de".
Karlsruher Zeitung vom September 2003:
Ihren ganz persönlichen Anteil am Erfolg leisteten auch Sven Rautenberg und
Michael „Mickey“ Wippermann. Die beiden Friedrichshafener
Volleyball-Multi-Entertainer schafften es, gemeinsam mit ihrem „Musicman“
Frank Zender und immer wieder neuen Einfällen die riesige Arena in einen
Hexenkessel mit einem weit jenseits der Schmerzgrenze liegenden Schallpegel
zu verwandeln.
Kein Wunder dass der Bundestrainer Stelian Moculescu die beiden am liebsten
mit nach Leipzig genommen hätte. “Das sind Profis, die passen gut zu uns“.
Doch Arena-Pressechef Martin Wacker, selbst Stadionsprecher im Dienste des
Fussball-Zweitligisten Karlsruher SC schüttelte energisch mit dem Kopf. „Wir
brauchen die hier, es gibt sonst im Süden keine Hallensprecher und ausserdem
sind viele Leute die am Freitag nur zum Schnuppern kamen, am Samstag und
Sonntag nicht zuletzt wegen Ihnen zurückgekommen. Sie sind inzwischen eine
Attraktion für sich.“ |